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Alzheimer: 6 schwierige Situationen und wie Sie damit umgehen können

Angstzustände und Aggression sind bekannte Symptome bei Alzheimer. Es ist wichtig zu wissen, wie man in manchen Situationen handeln muss.

11. Juni 2015 | Alzheimer, Diagnose

Alzheimer ist eine Art neurodegenerative Demenz, die mehr oder weniger geradlinig verläuft. Der Zustand des Betroffenen verschlechtert sich mit der Zeit: immer mehr Hirnareale werden in Mitleidenschaft gezogen und vereinnahmen daher ein größeres Neuronenfeld. Daher kommt es, dass etwas, das als einfacher Gedächtnisverlust angefangen hatte, schließlich zu Verhaltensänderungen führt, was Anpassungsprobleme mit sich bringt, sowohl für die betroffene Person als auch für die nächsten Angehörigen und Betreuer.

Im Folgenden stellen wir Ihnen ein paar Situationen vor und erklären Ihnen wie Sie mit diesen Verhaltensstörungen korrekt umgehen können. Es ist immer wichtig zu wissen was der Mensch mit Alzheimer mit einem gewissen Verhalten ausdrücken will. Nur so können wir verstehen, was er oder sie benötigt und wie wir helfen können.

1. Bei Erregung und Angst

Bei Angst und Erregung treten meist Bewegungen und Aussagen auf, die keinem vorhergehendem Bedürfnis entspringen oder der Verwirrtheit, sondern vielmehr der Notwendigkeit, Zustände von Wut und Frust zu übermitteln.

Wie geht man damit um?

  • Bleiben Sie ruhig, versuchen Sie, visuellen Kontakt herzustellen und nähern Sie sich vorsichtig, um so die Botschaft zu vermitteln: „Es passiert nichts, ich bin bei Dir“.
  • Vermeiden Sie unter allen Umständen, eine Konfrontation hervorzurufen, indem Sie z.B. im Befehlston äußern: „Benimm dich endlich!“ oder „Hör endlich auf damit!“
  • Versuchen Sie gleichzeitig, die mögliche Ursache der Irritation herauszufinden: eine Änderung des Umfelds (die Ankunft neuer Leute, Geräusch von Fernseher oder Radio usw.) oder innere Veränderungen (Schmerz, Müdigkeit, Fehlen eines Medikaments oder Einnahme einer erregenden Substanz wie Kaffee), um so das, was den Konflikt hervorgerufen hat, aus dem Weg zu räumen.
  • Wenn die Lage schlimmer wird und in Aggressivität auszuarten droht, lassen Sie eine gewisse Zeit vergehen: ziehen Sie sich zurück und entfernen Sie alle Gegenstände aus der Reichweite der betroffenen Person, die gefährlich sein könnten.

2. Bei Wahnvorstellungen und Halluzinationen

Im Falle von Halluzinationen kann die Person Dinge sehen, hören oder fühlen, die auf keinem wirklichen Stimulus beruhen. Bei Wahnvorstellungen stimmt das Denken mit keiner objektiv realen Situation überein (die Person glaubt, dass man sie bestiehlt, dass der Ehepartner untreu ist usw.).

Wie geht man damit um?

  • Wenden Sie sich an den Facharzt; er wird die Behandlung bestimmen. Es kann sein, dass der Ursprung der Halluzinationen von einer anderen Krankheit aus stammt, oder mit den Wirkungen des Medikaments zu tun haben.
  • Verstärken Sie diese Ideen nicht, sondern ersetzen Sie sie durch andere kohärente Ideen.
  • Wenn die Person keine Vernunft annimmt, können Sie ihre Aufmerksamkeit auf eine andere angenehme Beschäftigung lenken, die sie motiviert.

3. Bei Furcht oder Depression

Die Tatsache, dass jemand eine Demenz hat, schützt ihn nicht davor, eine psychische Krankheit zu entwickeln. Der Grund kann körperlich sein (Schädigung von Hirnbereichen, die mit den Gefühlszuständen zusammenhängen), oder auch auf psychologische Probleme zurückzuführen sein (das Bewusstsein dessen, dass er Fähigkeiten und Fertigkeiten eingebüßt hat, oder Situationen, die für sein Wohlbefinden ungünstig sind).

Wie geht man damit um?

  • Beraten Sie sich mit dem behandelnden Arzt, der die Möglichkeit in Betracht ziehen kann, die Person an einen Spezialisten (Psychologen oder Psychiater) zu überweisen.
  • Ihre Haltung soll immer respektvoll bleiben („Es ist nicht schlimm, wenn man traurig ist oder Angst hat“), und drängen Sie die Person nicht, ihre Stimmung zu verändern, besonders nicht durch Aussagen wie: „Komm schon, Kopf hoch!“ oder: „Sei doch nicht immer so!“). Dies könnte das Unwohlsein eher noch verschlimmern.
  • Ihre Haltung der Wärme und der Unterstützung sollte noch stärker zu spüren sein und ebenso der Ausdruck Ihrer positiven Bewertung und der Stärkung all dessen, was die Person kann.
  • Ermöglichen Sie es der Alzheimer-Person, an Aktivitäten teilzunehmen, die ihr gefallen und an geselligen Treffen mit Menschen, die ihr nahestehen und die sie mag.

4. Umherirren

Hierbei handelt es sich um unstrukturierte Bewegungen, die keinerlei Ziel verfolgen wie z.B. zu verschiedenen Stellen im Haus laufen und in den Schubladen wühlen, als ob man etwas sucht; der Versuch, das Haus zu verlassen ohne wirklichen Grund; der Pflegeperson hinterher zu laufen…

Wie geht man damit um?

  • Versuchen Sie, innerhalb des Hauses alles, was eventuelles Stolpern oder Fallen verursachen könnte, aus dem Weg zu räumen. Bringen Sie Schlösser an oder verschließen Sie die Stellen mit dem größten Fluchtrisiko.
  • Sagen Sie den Nachbarn Bescheid, damit sie Sie unterstützen und bei einer Notsituation mithelfen können.
  • Sorgen Sie dafür, dass der Patient immer seinen Personalausweis bei sich hat. Außerdem gibt es Ortungsgeräte, mit deren Hilfe Sie eine ständige Kontrolle zur Verfügung haben können.

5. Bei ständigem Verlust von Gegenständen

Es ist ganz üblich, dass die Person sich nicht mehr erinnert, wo sie ihre Sachen gelassen hat und dann sogar ein Mitglied der Familie beschuldigt.

Wie geht man damit um?

  • Zuallererst sollte Ihre Haltung zur Normalisierung beitragen: „Das ist ja nicht so schlimm, solche Dinge passieren eben.“ So vermeiden Sie Angst- und Frustgefühle.
  • Halten Sie die Dinge rigoros in Ordnung.
  • Sie können auch große Schilder oder Klebeetiketts dort anbringen, wo die Person ihre Sachen normalerweise hinterlegt.

6. Bei ungebührlichem Sexualverhalten

Eine schlechte Handhabung der sexuellen Bedürfnisse kann zu gewissen Verhaltensweisen führen wie Exhibitionismus oder Masturbation in der Öffentlichkeit.

Wie geht man damit um?

  • Sie sollten die Person weder bestrafen noch verstärken, da beides dieses Verhalten festigen kann. Am besten zeigen Sie Gleichgültigkeit bei einem solchen Verhalten und fördern dafür andere gesunde Verhaltensarten für diese Notwendigkeit (privat masturbieren).
  • Außerdem können Sie sich helfen, indem Sie die Person mit einem Kleidungsstück ausstatten, das nur sehr schwer aufzuknöpfen ist.

Symptome, Diagnose, Psychologische Aspekte, Soziales, Nicht-medikamentöse Behandlung, Beziehungen

Autor: Purificación Salgado

© People Who Global, iStock.com

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